2. Onkologisches Forum: „Wir können jeden Patienten vor Ort versorgen“

Die Behandlung von Speiseröhrenkrebs war Thema beim 2. Onkologischen Forum des Tumorzentrums Rhein-Berg

Speiseröhrenkrebs – in der Fachsprache Ösophaguskarzinom – gilt mit jährlich 7.200 Neuerkrankungen als eine eher seltene Krebsform, die an Häufigkeit allerdings seit einigen Jahren konstant zunimmt und vor allem bei Männern nach dem 55. Lebensjahr sowie bei langjährigem Alkoholmissbrauch auftritt. Die Gefahr: Oft wird der Tumor erst sehr spät erkannt, auch weil die Betroffenen anfängliche Symptome wie die typischen Schluckbeschwerden, saures Aufstoßen, Heiserkeit und Husten oder Brennen im Speiseröhrenbereich missdeuten oder ignorieren, so dass am Ende kostbare Zeit für gute Heilungschancen verstreicht und der Krebs bereits in die Lymphknoten gestreut hat. Diagnostisch verlässliche Anzeichen für Speiseröhrenkrebs lassen sich erst bei einer Spiegelung der Speiseröhre mit Entnahme einer Gewebeprobe gewinnen. Eine solche Spiegelung erfolgt üblicherweise als kombinierte Ösophago-Gastro-Duodenoskopie, also als eine endoskopische Untersuchung von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm.

Die innere Oberfläche der Speiseröhre ist durch eine besonders stabile Zellschicht, die sogenannte Plattenepithel, geschützt. Wird diese zum Beispiel durch die Reiz- und Giftstoffe aus häufigem Tabak- und hochprozentigem Alkoholkonsum geschädigt, schafft das mitunter den Nährboden für Tumore. Aber auch die Refluxkrankheit kann mitursächlich für ein Ösophaguskarzinom sein, weil durch permanenten Rückfluss von Magensäure die Speiseröhre angegriffen wird, woraus sich über einen längeren Zeitraum ein bösartiger Tumor entwickeln kann.

Dieses nicht auf den ersten Blick erkennbare Krankheitsbild diente den Verantwortlichen des Tumorzentrums Rhein-Berg unter dem Vorsitz von Strahlentherapeut Dr. Horst-Dieter Weinhold jetzt als Grundlage, um im Rahmen ihres 2. Onkologischen Forums einmal mehr auf die erfolgreiche Arbeit dieses Zusammenschlusses der unterschiedlichsten mit Krebstherapie befassten Experten hinzuweisen. Denn die optimale Patientenversorgung durch regionale Vernetzung ist das Hauptanliegen des Tumorzentrums Rhein-Berg, was bedeutet, „alles unter einem Dach“ zu haben, wie auch die beiden Vorstandsmitglieder, die Onkologen Dr. Dirk Hennesser und Dr. David Bórquez, in ihrer Begrüßung der etwa 80 Veranstaltungsteilnehmer nochmals eigens betonten. „Wir können jeden Patienten versorgen, ohne dass er weite Wege auf sich nehmen muss. Alle dafür nötigen Strukturen sind hier am Ort vorhanden.“ Nur für hochkomplexe Eingriffe würde an die entsprechenden Zentren verwiesen, wie an das Centrum für Integrierte Onkologie des Universitätsklinikum Köln – kurz CIO – mit dem eine offizielle Kooperation demnächst vor dem Abschluss stehe. Andere zertifizierte Fachzentren wie das Brustzentrum im EVK oder das Darmzentrum der GFO-Kliniken dagegen seien längst mit im Boot.

Dass es darum gehe, „gemeinsam stark für den Patienten zu sein, von Netzwerkstrukturen zu profitieren und gemeinsame Standards zu entwickeln“, machte dementsprechend Professor Christiane Bruns von der Uniklinik Köln, wo sie die Allgemein-, Viszeral-, Tumor- und Transplantationschirurgie leitet, zu der auch ein zertifiziertes Speiseröhrenkrebszentrum gehört, deutlich. In ihrem Fachvortrag stellte die Medizinerin, die gleichzeitig stellvertretende Direktorin des CIO Köln ist, die modernsten chirurgischen Techniken bei Speiseröhrenkrebs vor – darunter die robotergesteuerte OGI-Chirurgie – setzte sich gleichzeitig aber auch für eine stark individualisierte multimodale Therapie ein, „eben weil jeder Patient anders ist“, wie sie argumentierte. Außerdem informierte die Expertin über die aktuelle Forschungs- und Studienlage, über den Leitfaden ihres Hauses sowie über dessen perioperatives Management und führte aus, was in der prä-, intra- und postoperativen Phase eines Ösophaguskarzinoms genau geschieht. „Ich halte Netzwerke für enorm wichtig, weil auf diese Weise eine vorbildliche Interdisziplinarität gewährleistet ist“, unterstrich Bruns, die sich nach ihrem Referat den Fragen des Auditoriums stellte.

Erst im coronabedingt dritten Anlauf konnte diese Fortbildungsveranstaltung für Mediziner, an der vor allem Krankenhaus- und niedergelassene Ärzte sowie auch Ernährungsberaterinnen aus dem gesamten Rheinisch-Bergischen Kreis teilnahmen, stattfinden. Umso mehr freuten sich die Veranstalter, dass dieses mehrfach verschobene Expertenforum nun endlich in Präsenz und mit einem intensiven Austausch über interdisziplinäre Therapiestrategien, wie sie zum Beispiel in der in Bergisch Gladbach etablierten Tumorkonferenz wöchentlich diskutiert werden, möglich war.

Wie das Tumorzentrum genau arbeitet, veranschaulichte dann dessen Vorsitzender Dr. Weinhold. Eigentlich funktioniere es wie ein Trichter, sagte er. „Wir regeln alles für den Patienten und arbeiten mit allen Kolleginnen und Kollegen in der Tumortherapie eng zusammen – in der Absicht, für jeden Krebskranken das bestmögliche Ergebnis zu erreichen.“ Dazu listete der Bensberger Radioonkologe und Palliativmediziner die einzelnen dafür notwendigen Schritte auf: von den ersten auftretenden Beschwerden, mit denen der Patient meist bei seinem Hausarzt vorstellig wird, über eine präzise Diagnostik und pathologische Befundung, die Festlegung einer Therapie nach eingehender Beratung mit den in die Behandlung einbezogenen Disziplinen innerhalb der Tumorkonferenz – „bei uns wird Interdisziplinarität gelebt“ – bis hin zur Ernährungsberatung, der Psychoonkologie und dem Sozialdienst. „Wir berücksichtigen den Allgemeinzustand des Patienten, legen fest, wer was macht und ob kurativ, neoadjuvant oder palliativ behandelt werden muss – und zwar immer unter der Maßgabe, dem Einzelnen so viel Lebensqualität wie möglich zu erhalten.“ Selbst in der Strahlentherapie, kam Weinhold schließlich auf sein eigenes Fach zu sprechen, gäbe es eine rasante technische Entwicklung mit hoher Präzision, so dass immer schonender und mit wenigen Nebenwirkungen bestrahlt werden könne, was er mit Beispielen aus der modernen Radio-Chemotherapie untermauerte.

Auch für Professor Josef Beuth, Direktor des Instituts zur wissenschaftlichen Evaluation naturheilkundlicher Verfahren am Universitätsklinikum Köln und Vorstandsmitglied des CIO Köln, ist es vorrangiges Ziel, einen Krebspatienten möglichst gut durch seine Therapie zu begleiten – und das mit ergänzenden Behandlungsmethoden, die jedoch keine Krebstherapie ersetzten, wie der Vertreter von komplementärmedizinischen Maßnahmen ausdrücklich betonte. Auch sein Anliegen ist, für jeden Patienten individuell ein möglichst zielgerichtetes, bedarfsgerechtes Behandlungskonzept zu entwickeln bzw. erprobte Standardtherapien naturheilkundlich zu ergänzen. Was zum Beispiel bedeute, erklärte Beuth, dass der Patient das essen solle, was ihm schmecke – natürlich vor allem Obst, Gemüse und Getreide – und vor jeder anstehenden Therapie auch mit Bewegung, zu der je nach Krebsart auch Beckenbodentraining gehören könne, körperlich fit gemacht werden sollte. Auch eine psychoonkologische Betreuung – Gespräche, Entspannungsübungen, Kunsttherapien oder biografisches Schreiben – sei Teil solcher ergänzenden Maßnahmen. Außerdem ein Nebenwirkungsmanagement, wenn die Schleimhäute austrockneten, oder im Einzelfall auch Hormon-Yoga. „Mir geht es um gut ausgetestete komplementärmedizinische Methoden“, so der Experte, zu denen im Kontext des Erhaltes von Lebensqualität bei einer Krebserkrankung selbstverständlich immer auch die Geborgenheit in einem sozial funktionierenden Netzwerk zähle.

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