Tumorzentrum stößt gemeinsam mit dem Kölner Stadtanzeiger Leser-Aktion an

Zum 20. Mal steht der März in ganz Deutschland im Zeichen der Darmkrebsvorsorge. Ausgerufen von der Felix Burda Stiftung, der Stiftung LebensBlicke und dem „Netzwerk gegen Darmkrebs e. V.“, engagieren sich in diesem Monat Medien, Gesundheitsorganisationen, Unternehmen, Städte, Kliniken und Privatpersonen für die Darmkrebsvorsorge, darunter auch das Tumorzentrum Rhein-Berg. Damit möglichst viele Menschen auf das Thema aufmerksam werden, ist öffentliche Aufklärung ein wichtiger Aspekt beim Kampf gegen den Krebs. Dafür aber bedarf es eines starken medialen Partners. Umso dankbarer sind die Verantwortlichen des Zentrums, dass in diesem Jahr der Lokalteil „Rhein-Berg“ des Kölner Stadtanzeigers mit im Boot ist und eine Leser-Aktion durchführt.

Darmkrebs zählt zu den am besten erforschten Krebsarten. Man weiß heute, dass sich etwa 90 Prozent der Darmkrebserkrankungen aus zunächst gutartigen Darmpolypen entwickeln. Diese Entartung vom Darmpolyp – Adenom genannt – zum Krebs (Karzinom) kann rund zehn Jahre dauern. Viel Zeit, in der ein Ausbruch dieser Krankheit verhindert werden kann. Wissenschaftler bezeichnen diese jahrelange Entwicklung als Adenom-Karzinom-Sequenz. Ursache dafür sind aufeinander folgende Genveränderungen an den Schleimhautzellen der Darmwand – sogenannte Mutationen. Sie führen schließlich zum Verlust der natürlichen Wachstumskontrolle der Zellen, so dass diese sich als Krebszellen bösartig und zerstörerisch ausbreiten können. Der Begriff Darmkrebs bezeichnet einen bösartigen Tumor im Dickdarm oder Mastdarm, während bösartige Tumoren im Dünndarm äußerst selten festgestellt werden.

„Das Tückische an Darmkrebs ist“, stellt Professor Sebastian Hoffmann vom Darmkrebszentrum der GFO-Kliniken Rhein-Berg fest, „dass es sich um eine stille Krankheit handelt, die zunächst keine Symptome verursacht, also keine Warnzeichen gibt und aus gutartigen Vorstufen entsteht.“ Wenn dann typische Beschwerden wie Leibschmerzen, Stuhlunregelmäßigkeiten oder sichtbare Blutauflagerungen auftreten würden, könne die Krankheit schon weit fortgeschritten sein, so der Chefarzt für Viszeralchirurgie am Marienkrankenhaus.
Jährlich sterben allein in Deutschland über 24.000 Menschen an den Folgen einer Darmkrebserkrankung. Die Zahl der Neuerkrankungen liegt bei über 61.000. Dabei kann man kaum einer anderen Krebsart so leicht vorbeugen. „Durch Vorsorge und Früherkennung könnten nahezu alle Darmkrebsfälle verhindert oder geheilt werden. Die Früherkennung ist deshalb eine der wichtigsten Waffen gegen den Krebs“, sagt Dr. Daniela Müller-Gerbes, Chefärztin für Innere Medizin und Gastroenterologie am Evangelischen Krankenhaus in Bergisch Gladbach. „Mithilfe von Vorsorgeuntersuchungen können diese Vorstufen bereits entdeckt und entfernt werden – noch bevor sie zu Krebs werden.“ Sowohl die GFO-Kliniken als auch das EVK sind Mitglieder des Tumorzentrums Rhein-Berg e. V.. Das heißt, alle drei Gladbacher Krankenhäuser arbeiten eng mit den niedergelassenen Onkologen, Strahlentherapeuten und Gastroenterologen zusammen, so dass jeder Patient von einer hohen Expertise und großer Erfahrung mit Darmkrebspatienten profitiert.

Hoffmann betont: „Auch wenn die Behandlung von Darmkrebs in den letzten Jahren deutliche Fortschritte gemacht hat, bleibt die Vorsorge und damit Verhinderung der Erkrankung das vordringliche Ziel. Insofern kann der Aufruf, das Angebot einer Vorsorgeuntersuchung auch anzunehmen, nicht oft genug erfolgen. Der Besuch beim Hausarzt oder einem anderen niedergelassenen Experten ist der erste Schritt in die richtige Richtung.“

Wie etwa bei Dr. Dirk Esser, Gastroenterologe in der Gastro-Praxis Rheinberg. „Es gibt verschiedene Untersuchungsmethoden, um Darmkrebs(-vorstufen) zu erkennen“, erklärt der Fachmann. „Die sicherste Methode ist die Darmspiegelung – auch Koloskopie genannt.“ Seit zwei Jahren hätten Männer ab 50 Jahren alternativ zum Stuhltest auch einen Anspruch auf zwei Früherkennungskoloskopien im Mindestabstand von zehn Jahren. Bei Frauen betrage das Mindestalter für die Früherkennungskoloskopie 55 Jahre, da sich die Krankheit bei ihnen statistisch erst später entwickle als bei Männern. Werde das Angebot erst ab dem 65. Lebensjahr in Anspruch genommen, reduziere sich der Anspruch auf nur eine Früherkennungskoloskopie. Esser betont: „Bei familiärer Vorbelastung kann allerdings eine frühere Untersuchung zur Risikominimierung sinnvoll sein.“

„Weder Vorsorgetermine noch Operationen sollten aus Angst vor einer Covid-19-Infektion abgesagt oder verschoben werden.“ Darin sind sich alle drei Mediziner einig. „Sowohl die niedergelassenen Kollegen als auch die Kliniken haben von Anfang an sehr gute Hygienekonzepte und Abläufe entwickelt, um ihre Patienten zu schützen.“ Eine Verzögerung von mehr als 45 Tagen könne bei einer Darmkrebserkrankung die Prognose bereits verschlechtern.

Ein bundesweites Screening-Programm zur Darmkrebsvorsorge sieht vor, dass Frauen und Männer im Alter von 50 bis 54 Jahren jährlich einen immunologischen Stuhltest durchführen lassen können. Ab 55 Jahren haben Frauen und Männer alle zwei Jahre Anspruch auf einen Stuhltest, solange noch keine Früherkennungskoloskopie in Anspruch genommen wurde. Bei einem auffälligen Ergebnis dieses Tests besteht allerdings immer Anspruch auf eine Abklärungskoloskopie. „Die Koloskopie ist heute dank einer Schlafspritze und einer schonenden Untersuchungsmethode schmerzfrei und risikoarm. In den allermeisten Fällen kann sie ambulant erfolgen“, erklärt Gastroenterologin Müller-Gerbes.

Wer Fragen zur Darmkrebsvorsorge hat oder einen fachlichen Rat wünscht, kann sich bis zum 17. März an der Leseraktion beteiligen und eine Mail an redaktion.rhein-berg@ksta-kr.de richten. Dr. Müller-Gerbes, Prof. Hoffmann und Dr. Esser werden die eingereichten Fragen dann schriftlich beantworten.

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